Blumen im Winter kaufen – warum Kälte beim Transport mehr schadet als man denkt

Im Sommer macht man sich Gedanken über Hitze und Sonneneinstrahlung auf dem Heimweg. Im Winter denkt kaum jemand daran, dass Kälte für Schnittblumen ein mindestens genauso ernstes Problem sein kann. Ein Strauß, der fünf Minuten im Frost steht oder im unbeheizten Kofferraum liegt, kann Schäden davontragen, die sich erst zu Hause zeigen.

Was Kälte mit Schnittblumen macht

Blütengewebe besteht zu einem großen Teil aus Wasser. Wenn dieses Gewebe friert, bilden sich Eiskristalle, die die Zellwände von innen aufsprengen. Das ist nicht reversibel – aufgetautes Gewebe, das eingefroren war, wird weich, glasig und verfärbt sich braun oder schwarz.

Dieser Schaden zeigt sich oft nicht sofort. Blumen, die kurz gefroren waren, sehen beim Kauf noch normal aus. Erst zu Hause in der Wärme taut das Gewebe auf – und dann innerhalb weniger Stunden zeigen sich die Schäden. Die Blütenblätter werden schlaff, verfärben sich und fallen ab, noch bevor die Blume überhaupt richtig in der Vase gestanden hat.

Ab welcher Temperatur wird es kritisch

Die meisten Schnittblumen reagieren empfindlich auf Temperaturen unter 2 bis 4 Grad. Echtes Gefrieren beginnt je nach Blumenart und Gewebestruktur zwischen 0 und -2 Grad – aber auch Temperaturen knapp darüber, kombiniert mit Wind, können empfindliche Sorten wie Rosen, Lilien oder Orchideen schädigen.

Besonders kritisch: der Moment beim Verlassen des Ladens. Der Strauß ist warm, kommt dann abrupt in Kälte – dieser Temperaturschock belastet das Gewebe zusätzlich zum eigentlichen Kälteproblem.

Was beim Transport zu beachten ist

Das Wichtigste ist das Einwickeln. Papier ist deutlich besser als Folie – es isoliert leicht und lässt gleichzeitig Luft durch, damit sich kein Kondenswasser bildet. Mehrere Lagen Papier um den Strauß, besonders um die Blüten, schützen für kurze Transportwege gut.

Wer das Auto für den Heimweg nutzt: Der Innenraum ist nach kurzer Zeit warm, aber der Kofferraum bleibt kalt – manchmal sehr kalt. Blumen gehören im Winter auf den Rücksitz oder in den Fußraum, nicht in den Kofferraum.

Zu Fuß oder per öffentlichen Verkehrsmitteln: Den Strauß nah am Körper tragen – Körperwärme hilft. Und den Weg so kurz wie möglich halten, wenn es unter null Grad ist.

Was nach dem Kauf zu Hause zu tun ist

Blumen, die Kälte ausgesetzt waren, sollten nicht sofort in einen warmen Raum gebracht werden. Das klingt kontraintuitiv, ist aber wichtig: Ein zu abrupter Temperaturwechsel verstärkt den Stressfaktor. Besser ist es, die Blumen zunächst in einem kühlen, aber frostfreien Raum – Flur, Treppenhaus – für eine halbe Stunde akklimatisieren zu lassen, bevor sie in die warme Wohnung kommen.

Danach sofort frisch anschneiden und in handwarmes Wasser stellen. Wenn Kälteschäden eingetreten sind, zeigen sich die ersten Anzeichen trotzdem noch – aber man hat die Wasseraufnahme optimiert und gibt den Blumen die beste Ausgangslage, die noch möglich ist.

Blumen, die Kälte besonders schlecht vertragen

Tropische Sorten sind besonders anfällig. Orchideen, Heliconia, Strelitzia und ähnliche Blumen stammen aus warmen Klimazonen und reagieren schon auf Temperaturen unter 10 Grad mit Kälteschäden – kein Frost notwendig. Im Winter sind solche Sorten als Schnittblumen für den Transport im Freien besonders riskant.

Rosen und Lilien sind etwas robuster, aber ebenfalls empfindlich. Chrysanthemen und Nelken vertragen kurze Kälteexposition etwas besser.

Der Blumenmarkt im Winter

Wer auf einem Wochenmarkt oder einem Außenstand Blumen kauft und sie dann noch eine Stunde in der Kälte durch die Stadt trägt, setzt sie einem kombinierten Stress aus: Kälte plus Trockenheit plus Luftbewegung. Selbst gut eingewickelte Blumen leiden auf langen Wegen im Winter.

Das ist kein Grund, im Winter keine Blumen zu kaufen. Aber es lohnt sich, den Kauf möglichst kurz vor dem Ziel zu planen, den Strauß gut zu schützen und ihn direkt nach Hause zu bringen. Wer das beachtet, hat im Winter genauso schöne und haltbare Blumen wie im Rest des Jahres.