Man bringt Blumen ins Büro – zum Geburtstag einer Kollegin, als kleines Dankeschön, oder einfach weil der Schreibtisch etwas Farbe verträgt. Und dann, manchmal schon nach zwei oder drei Tagen, sehen sie aus als hätten sie einen harten Arbeitstag hinter sich. Zu Hause hätten dieselben Blumen wahrscheinlich eine Woche gehalten.
Das Büro ist für Schnittblumen eine besonders herausfordernde Umgebung – aus Gründen, die man auf den ersten Blick nicht sieht.
Die Klimaanlage ist ein stiller Feind
In klimatisierten Büros ist die Luft deutlich trockener als in normalen Wohnräumen. Klimaanlagen entziehen der Raumluft Feuchtigkeit – das ist gewollt, um die Temperatur angenehm zu halten. Für Schnittblumen bedeutet das jedoch, dass sie über ihre Blütenblätter und Blätter kontinuierlich Wasser verlieren, das der Stiel nicht schnell genug nachliefern kann.
Der Effekt ist besonders stark, wenn die Vase direkt im Luftstrom der Klimaanlage steht. Dort trocknen Blütenblätter schon nach einem Tag an den Rändern aus – nicht weil kein Wasser in der Vase ist, sondern weil die Verdunstung zu schnell geht.
Lösung: Vase aus dem direkten Luftstrom herausnehmen. Ein Platz an der Wand oder in einer Ecke mit weniger Luftbewegung hilft deutlich.
Der Obstkorb neben dem Kaffeeautomaten
Fast jedes Büro hat einen Obstkorb. Bananen, Äpfel, Birnen – alles Früchte, die Ethylen abgeben. Je reifer, desto mehr. Wenn die Blumenvase auch nur einen Meter vom Obstkorb entfernt steht, ist das genug, um die Haltbarkeit um Tage zu verkürzen.
Das ist kein theoretisches Problem. Ethylen verteilt sich im Raum und wirkt auch auf Distanz – besonders in kleinen, schlecht belüfteten Büroräumen. Ein Kollege, der täglich frisches Obst am Schreibtisch isst und die Schale mit reifen Früchten danebenstehen lässt, kann unbeabsichtigt den Blumenstrauß am Nachbartisch belasten.
Die Lösung ist simpel: Blumen so weit wie möglich vom Obstkorb entfernt aufstellen. Im Zweifelsfall auf der anderen Seite des Raumes. Mehr über die Wirkung von Ethylen auf Schnittblumen erklärt der Artikel zu den externen Ursachen für verwelkende Blumen.
Heizungsluft im Winter
Das Gegenstück zur Klimaanlage im Sommer ist die Heizung im Winter. Heizungsluft ist ebenfalls sehr trocken und erhöht dazu die Umgebungstemperatur. Schnittblumen neben einem Heizkörper altern schneller – die Wärme beschleunigt Stoffwechselprozesse, die Trockenheit tut ihr Übriges.
Ein Blumenstrauß, der auf der Fensterbank über dem Heizkörper steht, hat im Winter schlechte Karten. Besser: auf die kühle Seite des Raumes, weg vom Heizkörper.
Wer pflegt die Blumen eigentlich?
Im Büro ist die Pflege oft unklar. Zu Hause wechselt man das Wasser, weil man es täglich sieht. Im Büro gibt es keine Routine – niemand fühlt sich zuständig, und das Wasser bleibt manchmal tagelang ungewechselt.
Das macht sich bemerkbar. Stilles Bürostehwasser mit Bakterien, kein frischer Schnitt, keine Blätter entfernt – der Strauß zeigt das innerhalb von zwei Tagen.
Wer Blumen ins Büro mitbringt und möchte, dass sie etwas länger halten, sollte kurz klären: Wer wechselt das Wasser? Täglich ist ideal, jeden zweiten Tag ist realistisch. Dabei kurz die Stiele anschneiden – das kostet dreißig Sekunden und verlängert die Haltbarkeit spürbar.
Welche Blumen fürs Büro?
Wer weiß, dass die Bürobedingungen schwierig sind, wählt am besten robuste Sorten: Chrysanthemen, Alstroemerie oder Nelken halten unter widrigen Bedingungen besser durch als Rosen oder Anemonen. Sie verzeihen trockene Luft und unregelmäßige Pflege deutlich mehr.
Für Blumen, die auch zu Hause nicht schnell eingehen, gibt es mehr im Artikel zu langlebigen Schnittblumen. Die Grundregel fürs Büro bleibt: weg vom Obstkorb, weg vom Luftstrom, und jemanden benennen, der das Wasser wechselt.
