Floristen lagern Blumen in Kühlräumen. Das ist bekannt. Also liegt der Gedanke nahe: Wenn Kühlung so gut für Schnittblumen ist, warum nicht einfach den Haushaltskühlschrank nutzen? Tatsächlich machen das manche Menschen – mit unterschiedlichem Ergebnis. Und das hat einen Grund.
Was Kühlung grundsätzlich bewirkt
Kühle Temperaturen verlangsamen biologische Prozesse. Bakterienwachstum im Wasser, Ethylenproduktion, Wasserverlust über die Blütenblätter, der Alterungsstoffwechsel der Blüte selbst – all das läuft bei 5 bis 8 Grad deutlich langsamer als bei 20 Grad Zimmertemperatur.
Das ist der Grund, warum Floristen ihre Ware kühlen. Es ist auch der Grund, warum Blumen in einem kühlen Schlafzimmer oder Flur länger halten als im warmen Wohnzimmer. Kälte ist für Schnittblumen grundsätzlich gut.
Das Problem mit dem Haushaltskühlschrank
Ein Haushaltskühlschrank ist kein Blumenkühlraum. Er hat drei Eigenschaften, die Schnittblumen schaden können:
Trockenheit. Kühlschränke entziehen der Luft aktiv Feuchtigkeit. Die relative Luftfeuchtigkeit darin ist oft sehr niedrig – deutlich niedriger als in einem Floristenkühlraum. Das trocknet Blütenblätter aus, besonders empfindliche Sorten.
Ethylenquellen. In einem normalen Kühlschrank lagern Obst und Gemüse – oft reife Tomaten, Äpfel, Birnen. Diese geben konstant Ethylen ab. Wer Rosen oder andere empfindliche Schnittblumen neben dem Obst lagert, beschleunigt genau den Prozess, den er verlangsamen will.
Kälteempfindlichkeit mancher Sorten. Nicht alle Schnittblumen vertragen Temperaturen unter 8 bis 10 Grad. Tropische Blumen wie Orchideen, Heliconia oder Strelitzia reagieren auf zu starke Kühlung mit Kälteschäden – sie werden weich, fleckig oder braun. Selbst Rosen können bei zu tiefen Temperaturen leiden.
Für wen es trotzdem sinnvoll ist
Wer robuste, kältetolerante Schnittblumen wie Chrysanthemen, Alstroemerie oder Nelken für ein bis zwei Nächte kühlen möchte – etwa bevor ein Strauß gebunden oder verschenkt wird – kann den Kühlschrank durchaus nutzen. Die Blumen sollten:
in Wasser stehen oder die Stielenden in feuchtes Papier gewickelt sein, nicht direkt neben Obst oder Gemüse stehen, und nicht länger als eine bis zwei Nächte darin bleiben.
Als dauerhafte Lagerung ist der Haushaltskühlschrank nicht geeignet. Die Trockenheit macht sich über mehrere Tage spürbar bemerkbar.
Wann man es lassen sollte
Empfindliche Sorten wie Rosen, Lilien, Ranunkeln und alle tropischen Blumen sollten nicht in einem normalen Kühlschrank lagern – zumindest nicht, wenn Obst und Gemüse ebenfalls drin sind und die Temperatur unter 8 Grad fällt.
Im Sommer bei hohen Raumtemperaturen ist eine kurze Kühlungspause – eine Nacht im Kühlschrank – für die meisten Sorten vertretbar und kann einen spürbaren Erholungseffekt haben. Über mehrere Tage hinweg ist ein kühler Raum die bessere Alternative: weniger Trockenheit, keine Ethylenquellen, keine Kältestress-Gefahr. Wie man Blumen im Sommer generell vor Wärme schützt, erklärt der Artikel zu Blumen im Sommer.
Zusammenfassung
Kühlung ist gut. Haushaltskühlschrank ist möglich, aber mit Einschränkungen. Für eine Nacht mit robusten Sorten: akzeptabel. Als dauerhafte Methode oder mit empfindlichen Sorten neben Ethylenquellen: eher nicht.
